Feingehaltsstempel bei Gold
Jedem ist wohl bekannt, dass Schmuckstücke aus echtem Gold oder Silber durch eine Feingehaltszahl gekennzeichnet sind, die sich oftmals als unscheinbare Vertiefung verbirgt. Angebracht wird diese besondere Markierung durch einen Feingehaltsstempel, der den Feingehalt von Schmuck und metallischen Geräten in Tausendteilen angibt.
Diese Art von Stempel unterscheidet sich in seiner Optik komplett von der Sorte, die man auf Papier drückt. Letztere besitzen eine meist aus Kunststoff bestehende Stempelplatte, auf die über maschinelle Techniken Erhebungen angebracht werden. Feingehaltsstempel bestehen demgegenüber aus robustem Werkzeugstahl und erhalten ihre Erhebungen durch aufwendige Gravur oder moderne Fräs- und Laserarbeiten. Dabei unterscheidet man zwei gängige Varianten von Feingehaltsstempeln: zum einen solche in gerader Linie und zum anderen jene in der sogenannten Knieform, bei der der obere Teil halbkreisförmig gebogen ist. Während man den geraden Feingehaltsstempel für jede Art von Schmuck verwenden kann, dient die Knieform nur dem Stempeln von Ringen. Die Größe der Feingehaltsstempel kann dabei verschieden sein.
Da in Deutschland sehr lockere Regeln für die Punzierung existieren, steht es jedem frei, seine metallischen Gegenstände mit einer Feingehaltszahl zu versehen. Es besteht auch keine Pflicht, Schmuck und Geräte mit einem Feingehalt zu kennzeichnen. Jedoch sollte beachtet werden, dass zwar überall eine Zahl aufgestempelt werden darf, aber nur bei „goldenem und silbernen Gerät“ zusätzliche Sonnenzeichen, Halbmonde, Reichskronen oder Firmenzeichen erlaubt sind.
Die verschiedenen Feingehaltswerte ergeben sich aus den Legierungen mit anderen Metallen – je größer der Edelmetallanteil in einem Stoff ist, desto höher ist auch sein Feingehalt.
Als goldenes Gerät wird ein Gegenstand erst dann bezeichnet, wenn er einen Feingehalt von mindestens 585 von tausend Teilen des Gesamtgewichts aufweist. Die Stempelwerte liegen bei der hochwertigen Schmuckherstellung zwischen 585 und 999, können aber generell jeden erdenklichen Wert annehmen. Gängige Größen sind weiterhin 333, 375, 750, 916 und 990, wobei die niedrigeren Feingehalte in der industriellen Schmuckfertigung verwendet werden. Liegt ein Feingehalt von 999 Tausendteilen vor, handelt es sich um Feingold, das als Anlagekapital in Gebrauch ist.
Neben den bekannten Zahlenwerten findet man auf Goldmünzen und Goldbarren auch des öfteren Symbole der Herstellerfirma oder Jahreszahlen, die ebenfalls über besondere Feingehaltsstempel aufgebracht werden.
Silbernes Gerät liegt erst bei einem Mindestfeingehalt von 800 Tausendteilen vor. Für die Schmuckherstellung sind die bekanntesten Feingehaltszahlen 625, 800, 835, 925, 935 und 970. 925 steht für das berühmte Sterlingsilber und 970 für hochwertiges Emailsilber. Für Kapitalanlagen wird höherwertiges Silber verwendet, dagegen in der Produktion von Umlaufmünzen niederwertiges.
Auf älteren Gegenständen findet man heute noch die Feingehaltsangabe in der Einheit Lot. Hier entsprechen 16 Lot 1000/1000 Teilchen und bilden so reines Silber.
Der Feingehalt eines metallischen Gegenstandes lässt sich nicht allein mit Augenmaß bestimmen. Stattdessen sind professionelle Labortests nötig, um sich tatsächlich absichern zu lassen. Beim Vorgang des Stempelns ist prinzipiell nur Verlass auf anerkannte Goldschmieden und Schmuckproduktionen, denn nur dort kann der Feingehalt zuvor fachgerecht bestimmt werden. Der Feingehaltsabdruck, auch Punze genannt, ist somit zwar ein netter Brauch, aber in den meisten Fällen bedarf er einer genauen Überprüfung.



