Autobahngold

Mit “Autobahngold” bezeichnet man gestempelten, aber unechten Schmuck welcher hauptsächlich auf Autobahnraststätten und Parkplätzen einem meist ahnungslosem Käufer unter einem fadenscheinigem Grund zum Kauf angeboten werden. Hierbei handelt es sich jedoch um einen Betrug, bei dem der Käufer schlicht und ergreifend abgezockt werden soll! Von dieser Herkunft stammt auch der Name “Autobahngold“. Generell an allen Orten wo große Massen Touristen anzutreffen sind z.B. Strände oder Bahnhöfe werden diese gefälschten Schmuckstücke für Betrugszwecke Idealerweise Menschen unter Zeitdruck angeboten.
Zumeist werden diese vergoldeten Plagiate von Einheimischen den Touristen angeboten, wobei sie unter einer phantasiereichen Schilderung einer finanziellen Notlage dem Opfer einen Kauf dieses minderwertigem Mode-Schmuckes schmackhaft machen wollen. Dieses mit einer dünnen Goldschicht überzogenes Metall Namens Tombak ist unzulässiger Weise sogar mit einem Goldstempel versehen, welcher die angebliche Echtheit garantieren soll. In Wahrheit handelt es sich jedoch bei Tombak um eine unedle Messinglegierung, die aus Kupfer, Zink und Blei besteht, welche auch “Goldmessing” oder “Schmuckgold” genannt wird.
Zum Teil wurden diese Fälschungen auch in grösseren Stückzahlen nach Deutschland gebracht und hier in Restaurants, Bahnhöfen, Autobahnparkplätzen und Raststätten von zumeist ausländischen Betrügern auf die bereits geschilderte Weise den Opfern untergejubelt.

Wie gehen die Betrüger vor?

Die Art und Weise in der die Betrüger vorgehen ist zumeist dieselbe. Ein Fremder tritt an einen potenziellen Käufer heran und schildert diesem wortreich eine bedauerliche finanzielle Situation, in welcher ersterer sich angeblich befände. Praktischerweise sind die Gründe vor allem auf Autobahnraststätten oft ein plötzlicher Fahrzeugdefekt oder ein leerer Tank, der diese Finanzielle Notlage und den damit verbundenen Bargeldmangel spontan hervorgerufen hat. Im Inland wird zumeist Geld für ein kürzlich verstorbenes Familienmitglied benötigt, um dieses in die Heimat zurück zu transportieren und somit zusätzlich auf die Naivität und Gutmütigkeit des Käufers gebaut wird.

Immer gleich hingegen folgt im Anschluss an diese Geschichte allerdings das “einmalige Angebot”, welches der Fremde einem auch ohne umschweife offenbart. Ein “wunderbares und sehr wertvolles Schmuckstück” wird präsentiert, wobei es sich zumeist um Armbänder in sog. Teppichmuster-Form, Ketten oder schwere Siegelringe handelt und der Betrüger aufgrund der entstandenen Probleme sich leider von diesem vermeindlichem Schatz aus wertvollem Feingold trennen müsste. Die Schmuckstücke wären sehr wertvoll und hätten einen angeblich reinen Goldwert von über 1000.-EUR, wobei der Betrüger aber aufgrund der Situation und der spontanen Sympathie dem Käufer gegenüber bereit wäre es Ihm für 50-300.-EUR zu überlassen.

Willigt man nun in das Angebot ein und fällt auf diesen Betrug herein, bezahlt man den verlangten Betrag und erhält obgleich ein Stück wertloses Blech, wobei der Betrüger natürlich tieftraurig über diesen Verlust sein Leid beklagt. Durch dieses Schauspiel kommen die Betrogenen erst gar nicht auf die Idee, dass es sich hierbei um ein Fälschung handeln könnte und verzichten zumeist auf eine Echtheitsprüfung im Anschluss. Der Schmuck trägt ja auch eine Prägung, der die angebliche Echtheit und den damit verbundenen Feingehalt garantieren soll.

Die Opfer geben sich meist der Annahme hin im Besitz eines wahren Goldschatzes zu sein und vererben diesen unter Umständen auch an Ihre Nachkommen, fest in dem Glauben das dieses Schmuckstück echt sei. Die Schmuckstücke werden für schlechte Zeiten zurückgehalten und im Zweifelsfall erst Jahre später weiterverkauft, wovon allerdings dringend abgeraten sei, da der Verkauf und Weiterverkauf unter Strafe verboten ist!

Wie erkennt man Autobahngold?

Die Armbänder in sog. Teppich-Form sind zwar im Design Aufwändig gearbeitet, allerdings erkennt man die Fälschungen oft an der falsch vorgenommen Puntzierung/Prägung über den angeblichen Feingehalt. Zumeist werden z.B. übereinanderstehende “18k” oder “18ct” und  “0,750″ in einer Umrandung benutz, welches allerdings lediglich für echtgoldene Uhrengehäuse zulässig ist.
Für Schmuckstücke ist nur die Feingehaltsangabe in ganzen Tausendstel zulässig, evtl. auch in Verbindung mit einer Meisterpunze aber ohne jegliche sonstige Zusätze.

Gefälschte Siegelringe erkennt man zumeist an ihren identischen Eigenschaften in Form uns Struktur trotz unterschiedlichen Designs.
Diese Merkmale sollten sie hierbei beachten um eine Fälschung zu erkennen:

•     zumeist haben die Ringe Logos bekannter Marken oder Autohersteller um dadurch Seriösität und einen hohen Wert vorzutäuschen

•     Ringgrösse liegt meist 20-21, selten kleiner

•     Gewicht liegt um die 20g

•     voll verbödet, d.h. der Hohlraum unterhalb der Schmuckplatte ist komplett massiv und soll das Gewicht und damit den angeblichen Wert steigern

•     Mit übereinander stehender “14k” und der Feingehaltspunze “585″ gepunzt, wobei die “585″ unter oder über der “14K” gepunzt sein kann. Oder mit primitivem, gleich mit der Form gegossenem Stempel “585″ und “14K” nebeneinander - die Umrahmung der Zahlen ist erhaben

•     Die Feingehaltspunzen befinden sich im Ringboden unterhalb der Schmuckplatte anstatt wie üblich in der Ringschiene. Die Ringe werden erst nachträglich punziert und da sie aus Tombak gefertigt wurden, würde die Ringschiene verbiegen oder die dünne Vergoldung abplatzen

•     Die Qualität ist im Vergleich zum Original bedeutend geringer. Die Details sind gröber und die Schmuckplatte ist in der Ausführung der Ornamente deutlich schlechter

Die meisten Halsketten-Fälschungen tragen eine “14k” punzierung welche in Deutschland als Feingehaltsangabe nicht zugelassen ist. Beim Vertrauen auf die reine Karatangabe, kann es gut sein das sie hier einem wertlosem Tombak-Schmuckstück unterliegen.
Gefälscht wir zudem alles was sich fälschen lässt. Barren, Collier, Ketten-Anhänger und jede weitere Form von vergoldetem Schmuck oder ähnlichem wird hier dupliziert und als echt angeboten. Auch Anlagemünzen aus Feingold werden künftig deutlich stärker von Fälschungen betroffen sein (Falschgold).

Was kann man tun nachdem man bereits betrogen wurde?

Als erstes sollte man eine Anzeige beim zuständigen Amt, Verwaltung, Bürgermeister oder der Polizei machen.

Die Anzeige kann nur der Käufer des betreffenden Falschgold-Artikel machen und so gegen den Anbieter durch Einsendung/Einreichung des Falschgold-Schmucks bei dem für die Verfolgung von OWIs nach dem FeingehG verantwortlichen Amt des entsprechendem Bundeslands vorgehen.

Sollte das Schmuckstück nicht vorliegen, bitten die zuständigen Ämter von einer Anzeige abzusehen, da sie ohne dieses nicht bearbeitet werden kann!

Eine OWI-Anzeige kann man an das für den Wohnort des Verkäufers zuständige Amt für die Verfolgung von OWis nach dem FeingehG oder der Polizei stellen.

Hier finden Sie noch einen interessanten Fernsehbeitrag von WISO / ZDF.

Hier finden Sie eine sehr professionelle Seite über Autobahngold.